Bericht zum Kurs "Von-der-Halle-an-den-Fels"

Granitklettern im Ötztal vom 07. - 09.07.2017

"Wie fühlt sich das Klettern am Fels in den Bergen im Vergleich zur Kletterwand in der Halle eigentlich an?"

"Welche Techniken benötige ich überhaupt für das Klettern und Sichern am Fels?"

"Nach welcher Taktik gehe ich dabei vor?"

"Und wie kann ich einen gegebenenfalls erforderlichen Rückzug aus der Route durchführen und mich – wie es auch so schön im alltäglichen Sprachjargon heißt – Abseilen?"

Noch viele weitere Fragen gingen den Teilnehmern wohl durch den Kopf bei den Planungen und Vorbereitungen zum Kurs "Von der Halle an den Fels", wo sie ihre Kenntnisse aus der Kletterhalle endlich in der Natur umsetzen und ausbauen wollen.

Um genau diese Fragestellungen beantworten zu können, findet man im Ötztal zahlreiche vielseitige Klettergärten mit hervorragenden Kurs-Bedingungen. So z.B. im Klettergarten Oberried. Hier lautete das Programm für den ersten Kurstag, am Fels erst mal anzukommen und erste Toprope- und Vorstiegserfahrungen am Granit zu sammeln. Dabei wurden Themen wie z.B. die Ausrichtung der Expressschlingen, das richtige Clippen, der Seilverlauf usw. behandelt. Der gemeinsame Grill-Abend auf dem Ötztaler Natur-Campingplatz in Huben war die ideale Gelegenheit für die Gruppe, die ersten Eindrücke zu verarbeiten und ausgiebig über „Gott und die (Kletter-)Welt“ zu plaudern.

Der zweite Klettertag führte uns zur Moosalm. Dieser Klettergarten befindet sich am Fuße des Brunnenkogels auf 1.695 m Meereshöhe inmitten der Ötztaler Bergwelt und bietet sowohl für Einsteiger als auch für Kletter-Profis sehr schöne Routen. Dort konnten wir sämtliche Sicherungstechniken, die zum Rückzug aus der Route gehören, wie Umbauen, Ablassen oder Abseilen mit Rücklaufsperre und Seilzugsicherung ausgiebig an kurzen Übungsrouten trainieren.

Nachdem dies alles wunderbar funktioniert hat, wagten wir uns für den dritten und letzten Tag schon in alpineres Gelände vor. Der anstrengende Zustieg ab Gries durch das Winnebachtal von 1,5 Stunden und über 700 Höhenmetern wurde mit grandiosen Ausblicken auf die 3.000er-Gipfelwelt der Ötztaler und Stubaier Alpen belohnt.

Bis die Routen im Klettergarten Klein Kanada abgetrocknet waren, nutzten wir die Zeit in der Winnebachseehütte (2.362m) bei einer g´schmackigen Brotzeit und befassten uns mit Materialkunde. Fünf verschiedenen Themen wie Seilriss oder Karabinerbruch wurden von den Teilnehmern aufbereitet und in der Gruppe diskutiert.

Endlich ging es dann an den Fels, wo sich schnell herausstellte, dass die am Vortag trainierten Abläufe beim Umbinden und Abseilen in steiler Höhe von 24 Metern doch nicht so ohne Weiteres abrufbar sind, wenn man plötzlich ganz allein auf sich gestellt ist und der "größte Klettermuskel" – nämlich der Kopf bzw. die Psyche – nicht so mitspielt wie gedacht.

Letztendlich haben alle Teilnehmer das Kursziel erreicht und als auch noch der grausame Abstieg beim Gewitter ein gutes Ende nahm, konnten alle glücklich und zufrieden mit einem großen Paket an aufregenden Berg-Erfahrungen nach Hause fahren.

von und mit Katrin Fischer